Noch immer fällt mir das schwer: Bilder, die ich gemalt oder gezeichnet habe, bei Facebook oder auf Instagram zu zeigen.

    Eigentlich möchte ich gerne Bilder zeigen, fühle mich aber nicht ganz wohl dabei und poste daher eher selten eigene Bilder.

    Geht Dir das ähnlich?

    Das kreative Dilemma in Social Media

    Mir scheint oft das, was andere Kreative auf ihren Social Media Kanälen zeigen, sehr perfekt. Auf Instagram geht es natürlich darum, schöne Sachen zu zeigen und es wird daher viel inszeniert.

    Hast Du schon mal den Farbfilter von Instagram auf Deine Bilder angewendet? Ein Klick und schon ist das Bild kaum wieder zu erkennen. Oft wirkt es dann gefälliger, aber bin das noch ich? Will ich jetzt nur dekorative Sachen zeigen oder eher meine Vielfalt? Durchaus mit Bildern, die auf den ersten Blick nicht nach Applaus rufen, sondern in Ruhe betrachtet werden wollen oder aus eher leisen Tönen bestehen.

    Auf Facebook tummeln sich unzählige Kreative und es gibt eine große Bandbreite an Bildqualitäten. Viele zeigen richtig gute Sachen und feiern ihre Erfolge. Da kann es schon mal schwerfallen, die eigenen Arbeiten zu zeigen, die ich soeben und eigentlich recht zufrieden fertiggestellt habe. Das Liken wird zu einem blöden Maßstab, denn plötzlich gibt es Konkurrenz und Vergleich.

    Natürlich muss ich mich als Betrachter an die eigene Nase fassen: Auch ich urteile schnell über das Bild eines anderen oder wundere mich mitunter über die Tatsache, „solche Bilder“ überhaupt zu zeigen. Und auch dabei vergleiche ich mich wieder, denn in dem Kontext können sich meine Bilder durchaus sehen lassen …

    Gerade auf Fanseiten geht es aber viel um Branding, jeder wird zur Marke und es ist zur Wiedererkennung wichtig, einen Stil beizubehalten.

    Aber wie passt das mit der künstlerischen Freiheit zusammen, wenn die noch unentschlossen und in der Entwicklung ist?

    Welche Sorgen das Bilderzeigen in Social Media bereiten kann

    Hinter diesem Spagat, Bilder zeigen zu wollen aber sich nicht so recht wohl dabei zu fühlen, stehen verschiedene Sorgen:

    • Wie kommen meine Bilder an?
    • Halten sie den Vergleich zu Bildern von anderen Kreativen?
    • Was ist, wenn ich schlechte Kommentare bekomme, das Bild zerpflückt oder gar nicht ernst genommen wird?
    • Was, wenn es komplett ignoriert wird?
    • Und was ist, wenn mich das alles total frustriert?

    Als Kreative schaffen wir etwas, das Wert geschätzt werden möchte. Wir wollen, dass gesehen wird, was wir machen und können das mit einem Mausklick der Welt zeigen. Doch das Internet hat eben auch die Macht, uns in unseren Eigenheiten und Möglichkeiten zu beschneiden oder sogar zu demotivieren.

    Wie man als Kreativer mit dem Dilemma spielen kann

    Das Schönste an der Kunst ist, das wir uns ausdrücken und ausprobieren. Hier bietet uns das Internet die große Freiheit, zu experimentieren – wir müssen sie nur nutzen!

    Ich drehe den Spieß gerne um und mache aus dem Manko einen Vorteil. Da ich kein Profi bin, kann ich mir doch alles erlauben. Weil ich wenige Fans habe, wird schon kein Shitstorm entstehen. Ich kann also nach Herzenslust ausprobieren. Und zwar so wie es mir gefällt. Schlimmstenfalls – und wir gehen mal nicht davon aus, dass es soweit kommen wird – lässt sich eine Fan-Page auch wieder löschen.

    Wenn mir bei all dem das Experimentieren wichtiger ist als die Reichweite meiner Seite und ich das Posten in den Kanälen als Spiel betrachte, dann grummelt es weniger in meinem Magen.

    Ich gehe mit Freude ran, probiere mich aus, zeige Vielfalt – und lasse viel lockerer die Reaktionen auf mich zukommen. Die Jagd nach Likes und Co überlasse ich gerne den Profis.

    Teste verschiedene Arten, deine Bilder zu zeigen

    Jetzt nur nicht übermütig werden und kreuz und quer Bilder posten. Idealerweise geht es langsam aus der eigenen Komfortzone.

    Verschiedene Arten, Bilder zu zeigen, haben sich für mich bewährt:

    • Alte Bilder: Hier ist die eigene kreative Umsetzung nicht mehr so frisch. Die Nabelschnur ist quasi schon geheilt. Dazu habe ich mir auch den Spaß erlaubt und Bilder auf Instagram gepostet mit dem Hashtag #gemaltimletztenJahrtausend
      Hast Du vielleicht auch noch solche Frühwerke? Dann klinke Dich gerne mit ein!
    • Bilder im Werden: Es ist mir selber wichtig, Bilder im Entstehungsprozess zu fotografieren. Auch solche Fotos kann man gut teilen, weil es sehr nach Handwerk riecht. Um auch hier unvoreingenommen von der Meinung anderer an dem Bild weiter zu machen, empfiehlt es sich, diese Fotos erst zu teilen, wenn das Bild bereits fertig ist.
    • Frag den Leser: Es muss nicht grad die Frage nach der Meinung zu einem Bild sein. Unverfänglichere Fragen wie nach dem Gefallen einer Farbe eignen sich. Bei einer abstrakten Skizze kann man fragen, was die Leute darin sehen. Es eignen sich Fragen, die eher locker sind und den Leser aber ermuntern auf das Bild zu gucken.
    • Flucht nach vorne: Das Bild finde ich nicht gut, was ist daran nicht gut? Auch solche Unzulänglichkeiten kann ich zugeben, wenn ich keine Erwartungen an mein Gegenüber habe. Für eine intensive Bildbesprechung eignen sich ein Social Media-Kanal vielleicht nicht so sehr.

    Bilderzeigen in Social Media mit Wohlfühlfaktor

    Beim Posten versuche ich immer darauf zu achten wie es mir dabei geht. Wenn ich häufiger poste, dann gewöhne ich mich daran und das einzelne Bild wiegt auch nicht mehr so schwer auf meiner Fanseite. So erweitert sich nach und nach die eigene, ganz individuelle Komfortzone. Wenn es Spaß macht, weitermachen, wenn es nur stresst, dann habe ich die Freiheit, es bleiben zu lassen.

    Vielleicht ist gerade das die Kunst: Mit gutem Gefühl auch das Echte zeigen, das durchaus unperfekt und angreifbar ist.

    Und wer sagt mir eigentlich, dass die wahren Profis kein solches Dilemma haben?

    Eine Alternative zu Social Media ist, mit einer Webseite die eigene Kunst sichtbar zu machen.
    So eine eigene Webseite ist heute ganz leicht machbar.